rc Umfrageklima-Monitor Deutschland

Was ist der Umfrageklima-Monitor?

Wie zufrieden sind die Befragten mit dem, was sie tagtäglich bei Umfragen erleben? Was sollten wir Markt- und Meinungsforscher tun, um ihre Erlebnisse bei Anrufen zu Markt- und Meinungsumfragen zu verbessern?

rc nimmt diese Fragen ernst, und hat eigeninitiativ den Umfrageklima-Monitor Deutschland durchgeführt. Erstmals hatten hier die Befragten die Chance, im Rahmen einer bevölkerungsrepräsentativen Studie ihre Erfahrungen mit der Qualität der in Deutschland getätigten telefonischen Umfragen zu äußern. Und mitzuteilen, welche Verbesserungswünsche sie an uns Umfrageforscher haben. Hier finden Sie erste Ergebnisse:

Der rc Umfrageklima-Monitor zeigt Handlungsbedarf für eine Verbesserung der Befragungsqualität in Deutschland

Die Studie zeigt: es besteht wenig Hoffnung, Umfrage-Verweigerer kurzfristig zum Umdenken zu motivieren. Umso wichtiger ist es, die Erfahrungen der im Laufe der letzten Jahre immer kleiner und wertvoller gewordenen Gruppe der verbliebenen Befragungsteilnehmer zu verbessern. Denn diese müssen auch zukünftig für die Teilnahme motiviert werden. Leider machen auch diese häufig keine positiven Erfahrungen mit den aktuellen Befragungen, wie der Monitor zeigt. Und die Zufriedenheit mit den Umfrageerfahrungen hat einen deutlichen Einfluss auf die Teilnahmebereitschaft.

Zufrieden mit seinen Umfrageerfahrungen ist nur jeder dritte Befragte. Der Großteil der Befragten gibt nur die Note 3, was für eine dauerhafte Sicherung der Teilnahmebereitschaft deutlich zu wenig ist. Nur noch ein Viertel dieser Personen weist noch eine hohe Teilnahmebereitschaft auf.

Wichtige Ansatzpunkte zur Verringerung der Unzufriedenheit: die Interviews müssen interessanter werden (45% finden die Interviews nicht interessant genug), die Bedürfnisse der Befragten müssen bei der Fragebogenführung noch besser berücksichtigt werden (45% finden, Sie müssen häufig Fragen beantworten, die auf Grund der vorherigen Fragen bereits unnötig sind) und die angekündigte Dauer der Interviews muss besser eingehalten werden (59% sind hier unzufrieden).

Ein weiterer Grund für die Unzufriedenheit sind verkappte Werbeanrufe, die sich als Befragung tarnen. Solche "Verkaufsumfragen" von Nichtmarktforschern, die über die Hälfte der Befragten in den letzten zwei Jahren mindestens einmal erlebt haben, senken die Gesamtzufriedenheit mit Umfragen deutlich, wenn nicht zwischen diesen Verkaufsumfragen und seriöser Marktforschung unterschieden wird. Dies tun jedoch immerhin zwei Drittel der Befragten, die Verkaufsumfragen erlebt haben. Der Verbesserungsbedarf bezüglich der Umfragezufriedenheit darf daher nicht allein auf diese Erfahrungen zurückgeführt werden.

Entscheidend für eine positive Wahrnehmung der Marktforschung ist dagegen die Qualität der Interviewer, die zu 86% die Note gut oder sehr gut erhalten. 22% der Umfragen erzielen so trotz allem einen direkten positiven Beitrag zur Wahrnehmung des Auftraggebers (11% negativ).

Erfreulicherweise halten 85% der Befragten die Markt- und Meinungsforschung insgesamt für eher wichtig (56% für wichtig oder sehr wichtig), einen hohen oder sehr hohen Nutzen für die Allgemeinheit sehen allerdings nur noch 41%.

Die Hoffnung auf eine automatische Verbesserung der Lage durch das Verbot von nicht autorisierten Werbeanrufen durch die Novellierung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) zum 1.1.2009 wird allein nicht ausreichen. Eine deutliche Verringerung der Anzahl solcher Anrufe hat nur ein geringer Teil der Befragten (5%) wahrgenommen.

Es liegt also auch an der Marktforschungsbranche selbst, durch verbesserte Fragebogenqualität, die Zufriedenheit und Loyalität der verbliebenen Befragungswilligen zu sichern, u.a. über eine interessante Themen- und Fragebogengestaltung, Einhaltung akzeptabler Längen, sowie befragtenfreundlicher Formulierung und Filterführung.

Hierfür werden wir uns weiter intensiv einsetzen!

Wer wurde befragt?

Wie in wissenschaftlich-repräsentativen Bevölkerungsumfragen üblich, wurde eine Zufallsstichprobe von privaten Telefonanschlüssen mithilfe eines Zufallszahlengenerators erzeugt. Innerhalb des Haushalts des Anschlusses, wurde wiederum zufällig eine Person ausgewählt (Person, die als nächstes Geburtstag hatte).

Wie viele Interviews wurden gemacht?

Insgesamt wurden vom 19.8. bis zum 5.9. 2009 1.500 Interviews durchgeführt (darunter auch Kurzinterviews mit Verweigerern der Studie zu deren Gründen).

Was geschieht mit den Ergebnissen?

Die Ergebnisse werden am 29. Oktober 2009 um 15:30 Uhr im Rahmen eines Messeworkshops auf der Marktforschungsfachmesse Research & Results in München erstmals der Öffentlichkeit präsentiert (www.marktforschungsmesse.de). Dabei sollen die Ergebnisse insbesondere dazu dienen, die Markt- und Meinungsforscher für das Thema zu sensibilisieren und anhand der Wünsche Verbesserungen der Befragungspraxis zu erreichen.

Anschließend werden die Ergebnisse in verschiedenen Fachzeitschriften publiziert:

Lesen Sie den Artikel hier!

In regelmäßigen Abständen wollen wir dann kontrollieren, welche Fortschritte in der Zukunft gemacht werden. Damit wollen wir den Umfrageklima-Monitor als Kontrollinstrument für die Zufriedenheit der Bevölkerung mit telefonischen Markt- und Meinungsforschungsbefragungen in Deutschland etablieren.

Ansprechpartner

Ingo Sander
Ingo Sander
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